10 Jahre SV 09 Arnstadt

19.05.2019 - 10 Jahre SV 09 Arnstadt


Heute ist unser SV 09 Arnstadt 10 Jahre alt geworden. Christian Lang (CL) führte aus diesem Anlass ein Interview mit Georg Bräutigam (GB), unserem Ehrenpräsidenten.


CL: 10 Jahre SV 09 Arnstadt. Das klingt nach einem jungen Verein. Was einige sicherlich nicht wissen: Wir haben sehr viel Tradition übernommen. Wie kam es zur Gründung, an der Du auch maßgeblich beteiligt warst, Georg?


GB: Der Verein geht sowohl auf den B.C. Arnstadt, gegründet 1907, als auch auf den S.-V. Arnstadt, der 1905 gegründet wurde, zurück. Der S.-V. Arnstadt spielte um 1930 in der höchsten deutschen Spielklasse, Staffel Nordthüringen des Landesverbandes Mitteldeutschland. Beide Vereine, der bürgerliche Sportverein und der Arbeiterverein Ballspielclub, wurden 1945 im Rahmen des Verbots für alle Sportvereine in der sowjetischen Besatzungszone zwangsweise aufgelöst.


Am 1. September 1949 wurde in dem unter sowjetischer Leitung stehenden Rudislebener Betrieb Podjomnik die Betriebssportgemeinschaft Podjomnik Rudisleben gegründet. Nach dem Zusammenschluss mit der BSG Nafa (aus dem Nachbarort Ichtershausen) entstand am 12. Mai 1952 die BSG Motor Ichtershausen-Rudisleben. Im Laufe der Zeit bürgerte sich jedoch die Kurzbezeichnung Motor Rudisleben ein. Der spätere Fusionspartner der Fußballverein BC 07 Arnstadt ging aus der damaligen Abspaltung der Fußballer der BSG Einheit Arnstadt hervor (gegründet 17. September 1950), die zunächst zwischen 1952 und 1956 die Vormachtstellung im Arnstädter Fußball hatte.


Im Rudislebener Verein entwickelte sich Dank der wirtschaftsstarken Trägerbetriebe die Fußballsektion, welche schnell eine spielstarke Mannschaft stellte, die bereits 1954 in die damals drittklassige Bezirksliga Erfurt aufstieg. Dort belegten die Rudislebener vier Jahre lang Plätze in der oberen Tabellenhälfte und wurden im fünften Jahr 1959 Bezirksmeister. Damit hatten sie sich für die II. DDR-Liga qualifiziert, die inzwischen als dritte Spielklasse installiert worden war. Die Spielstärke reichte für diese Liga jedoch nicht aus und es folgte bis 1964 ein Wechselspiel zwischen vierter und dritter Liga. 1964 wurde Rudisleben zum dritten Mal Bezirksmeister. Inzwischen war die II. DDR-Liga wieder abgeschafft worden und der Bezirksmeister hatte die Möglichkeit, sich über eine Aufstiegsrunde für die zweitklassige DDR-Liga zu qualifizieren. Motor Rudisleben meisterte die Aufstiegsspiele souverän und stieg als Gruppensieger auf. Man stieg aber gleich wieder ab und wurde nun eine echte Fahrstuhlmannschaft! In der Zeit von 1978 bis 1984 spielte der Verein in der DDR Liga, musste aber wieder absteigen, nachdem diese Liga auf zwei Staffeln reduziert wurde. Später spielte der Verein in der Bezirksliga.


1992 stieg der Verein in die Thüringenliga auf und hielt diese Liga bis 2002. Leider musste in diesem Jahr die bitter Pille des Abstieges geschluckt werden. Dies hatte u.a. finanzielle Gründe, da der Hauptsponsor in Insolvenz ging und Rudisleben nach Arnstadt eingemeindet wurde. Die finanzielle Unterstützung wurde dadurch deutlich reduziert. Bereits 1999 wurde ein neuer Vorstand gewählt, in dem auch ich als 1.Vorsitzender - besonders für den Kinder- und Jugendbereich - gewählt wurde. Ich hatte die klare Idee im Kinder- und Jugendbereich für Arnstadt eine einheitliche Jugendspielgemeinschaft aller Fußball spielender Vereine zu gründen, um die Kräfte zu bündeln und allen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, entsprechend ihrem Leistungsvermögen in Arnstadt Fußball zu spielen.


Das gelang, gemeinsam wurde 2001 die Jugendspielgemeinschaft Arnstadt (JSG Arnstadt) gebildet, die es sich zur Aufgabe machte, die Förderung des Kinder- und Jugendfußballs in Arnstadt und damit die Qualität und Quantität des Arnstädter Nachwuchses zu steigern. Erfolge der JSG Arnstadt im Landes-, Bezirks- und Kreismaßstab belegten, dass die Bildung der JSG Arnstadt ein sinnvoller Weg war. Aus diesem positiven Ergebnis heraus bildeten im Sommer 2005 die beiden Vereine SV Arnstadt-Rudisleben und der BC 07 Arnstadt eine Spielgemeinschaft im Männerbereich, mit dem Erfolg, dass diese 2008 in die Thüringenliga zurückkehrte. 2009 ging man noch einen Schritt weiter und gründetet den SV 09 Arnstadt. Du siehst: Viel Traditionen, die man noch bedeutend weiter führen könnte.


CL: Mit Blick zurück - war die Neugründung der richtige Schritt? Unabhängig davon: Der Sportstätte in Rudisleben trauern viele hinterher. Hätte man diese nicht erhalten können?


GB: Mit dem politischen Zusammenschluss von Arnstadt und Rudisleben 1999 und ausgehend von den vorhandenen wirtschaftlichen, finanziellen und sportlichen Möglichkeiten danach, war es der einzig logische Schritt den SV 09 zu gründen. Es gab keine Alternative. Ich muss klar sagen, dass die Vereine nicht mit wehenden Fahnen als neuer Verein zusammmen gingen. Es gelang uns aber durch eine exzellente Nachwuchsarbeit in fast allen Klassen Vertrauen zu einander zu finden. Nur als Beispiel: Man ist Thüringenmeister im B-Junioren-Bereich (Ergänzung CL: Mit Relegation zur Regionalliga gegen Hertha BSC Berlin vor ca. 600 Zuschauern) geworden und hat diese Spieler bis in die Männerbereiche gebracht! Das funktionierte und so stieg man 2008 mit eigenen Spielern, aus der nun die Erste und Zweite bestand, wieder in die Thüringenliga und 2009 mit der Zweiten in die Bezirksliga auf.


Die Kampfbahn in Rudisleben hätte natürlich nach 1999 mit der Regionalreform grundhaft saniert und deutlich erweitert werden müssen, man hätte ein klares Sportstättenkonzept vorgeben, viel Geld in die Hand nehmen und den klaren politischen und sportlichen Willen aller Arnstädter Vereine haben müssen, diese Anlage für den Fußball zu nutzen. Dieser Wille existierte aber nicht. Es existierte auch nur eine Sondergenehmigung, dieses Stadion bis 2017 als Sportstätte zu nutzen. Also grundhafte Sanierung oder zu machen! Die immer noch bis heute leider vorhandene Zersplitterung im Arnstädter Fußball sorgte auch letztendlich dafür, dass sich die politisch Verantwortlichen auf eine grundhafte Sanierung des Sportplatzes Obertunk konzentrierten. Hier brachte ich mich, da ich keine Alternative sah, persönlich mit viel Herzblut ein. Ein Vorgang der ein eigenes Interview wert wäre. Nach 6 Jahren des Nichtstun, geht es jetzt aber nun ohne wenn und aber noch in diesem Jahr mit einem neuen Kunstrasenplatz mit Flutlicht weiter. 2020 ist dann das neue Mehrzweckgebäude, wenn sich alles vernünftig entwickelt und der politische Wille vorhanden ist, auf dem Plan.


CL: Die Entwicklung unserer Jugendteams ist in dieser Saison sehr positiv. Trotzdem spielt man nicht- wie mit der JSG - fast durchgängig Landesliga. Warum gibt es diese JSG nicht mehr und ist dieser Schritt zu bedauern?


GB: Ich bedaure es sehr, dass die JSG nicht mehr existiert. Es ist ja immer so, dass Gemeinsamkeit stark macht und so war es auch bei der JSG. Wir hatten die erfolgreichste Jugendspielgemeinschaft Thüringens. Wir bündelten die Kräfte, alle Vereine brachten ihre Kinder und Jugendlichen in eine gemeinsame Spielgemeinschaft, gute engagierte Trainer schauten oftmals über den Tellerrand hinweg und hatten das gemeinsame Ziel, unsere Stadt zu repräsentieren. Das sehr erfolgreich. Die Stadt belohnte das mit einer besseren Sportförderung. Wenn alle Fußball spielenden Sportvereine Arnstadts einmal nachdenken und in ihre heutigen Männermannschaften schauen würden, dann wüssten Sie, dass immer noch ein Großteil der Spieler in der ehemaligen JSG Arnstadt ausgebildet wurden. Leider war kurzsichtiges Vereinsinteresse wichtiger, dazu kam aber auch, dass in den umliegenden Gemeinden plötzlich Sportvereine mit neuen Sportstätten entstanden, somit einfach weniger Kinder und Jugendliche in Arnstadt spielen wollten. Diese hatten ofmals eine Lobby auf Landesebene, so dass hohe Fördermittel zum Bau neuer Sportstätten, nicht immer sinnvoll in Gemeinden des Umlandes flossen. Eine Konzentration aller Kräfte, gute engagierte Trainer und eine gute Fianzausstattung wäre der Weg gewesen. Aber genau das funktionierte gerade in den letzten Jahren nicht mehr.


CL: Du hast Dich als Stadtrat sehr stark für die Verbesserung der Bedingungen am Obertunk stark gemacht. Gefühlt herrscht Stillstand (Stichwort Sozialgebäude/Duschen). Wie ist die Position der Stadt und der Stand dazu?


GB: Ich denke, als ich im Verein damals gesagt habe, ich werde es schaffen, dass Arnstadt einen Kunstrasen und einen neuen Rasenplatz auf dem Obertunk bekommt, hat mir keiner geglaubt und mich alle nur müde belächelt. Ich habe das auch Dank des damaligen Bürgermeisters Köllmer mit all meiner Kraft, gegen viele Widerstände auf politischer Ebene, durchgesetzt. Leider ging nach 2012 fast gar nichts mehr, trotz einer klaren Beschlusslage im Stadtrat, wo sogar private Gelder und Investoren, die ich auch noch überzeugen konnte, in Arnstadt zu investieren, mitgeholfen hätten. Aber wie ich oben schon gesagt haben: 2019 werden wir noch den Spatenstich für den Kunstrasenplatz und 2020 für den neuen Sozialbau haben, wenn die dann politisch Verantwortlichen im Stadtrat nicht alles anders sehen! Ich glaube, dass wir im schlimmsten Fall dann auf eine Containerlösung zurückgreifen müssten. Das wäre für mich fast schon der Supergau!


CL: Wie bist Du eigentlich zum SV Arnstadt Rudisleben gekommen und seit wann engagierst Du Dich im Verein?


GB: Es war wie sicherlich so oft: Ich habe einen Sohn, der unbedingt mit 5 Jahren Bundesligaprofi werden wollte und ich hatte zwar von Fußball keine Ahnung, wollte aber, dass er sportlich etwas macht. Dann lernte ich die Rudislebener Fußballikonen Helmut Schötz und Hartmut Löffler kennen, die mir übereinstimmend sagten, er habe Talent, könnte erst einmal in der jahrgangsälteren Mannschaft von Hartmut Löffler mittrainieren. Von da an hatte ich Blut geleckt. Ich war ein hoch interessierter Vater, wir bildeten mit Uwe Vester im Verein eine Jahrgangsmannschaft 1988 und hatten mit Spielen gegen Schalke 04, Hertha BSC und dem 1.FC Köln Erlebnisse, von denen die damaligen Jungs noch heute als Männer und Familienväter schwärmen und sicherlich ihren Kindern und Enkeln darüber erzählen werden. Als der Verein nach dem Jahr 1999 in wirtschaftliche Schieflage kam, wollte ich es nicht zulassen, dass dieser traditionsreiche Verein, aus finanziellen Gründen, zerschlagen werden musste. Neben mir fanden sich also noch weitere engagierte ehrenamtlich Tätige und brachten den Verein ins ruhige Fahrwasser. Auch wenn es immer einmal hoch und runter ging, ich lernte viele tolle Menschen, Sporler und Kinder kennen. Das ist auch heute noch so! Ich war dem Verein auch 2018 sehr dankbar, dass der neue Vorstand und die Mitgliederversammlung mich zum Ehrenvorsitzenden wählte. Noch einmal vielen Dank dafür!


CL: Neben Fussball bietet unser SV09 Arnstadt auch Tischtennis, Volleyball, Gymnastik, Schwimmen, Judo und nun auch Dart als siebente Abteilung an. Gibt oder gab es für Dich Berührungspunkte zu den Sparten?


GB: Wir sind ein Mehrspartenverein und sollten das auch bleiben. Alle Sparten haben - besonders unter unserem neuen 1. Vorsitzenden Lars Fabig - eine hohe Wertschätzung und der Zusammenhalt ist wieder bedeutend größer worden. Wir haben besonders im letzten Jahr die Gemeinsamkeit des gesamten Vereines wieder neu aktiviert und das ist gut so! Ich stehe dazu ohne wenn und aber! Auch zu dem Solidarprinzip, dass wir in unserer Satzung stehen haben. Ich denke, unser Verein, der nebenbei der größte im Ilm-Kreis ist, hat ein Potential, dass es noch zu analysieren und auszubauen gilt. Aber gemeinsam sind wir eine echte sportliche Macht in Arnstadt und im Ilm-Kreis und können noch viel gemeinsam erreichen.


CL: Wir danken Dir für das tolle sowie informative Interview, auch für Dein jahreslanges und mit prägendes Engagement beim SV 09 Arnstadt, Georg!

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